30 Tage Vegan Challenge

Für den August habe ich mir vorgenommen, mich ausschließlich Vegan zu ernähren. Vegetarierin bin ich schon seit einigen Jahren, und lange Zeit konnte ich ganz gut mit meinem Gewissen vereinbaren. Nach und nach wurde mir aber bewusst, dass eine vegetarische Ernährung noch lange nicht heißt, dass keine Tiere leiden müssen und habe mich dazu entschieden, ein 30-tägiges Selbstexperiment zu starten. Spoiler: Bis auf ein Stamperl brennenden Bailey’s, das ich zu später Stunde gedankenlos gekippt habe, hab ich den ganzen Monat komplett durchgezogen.

Tiere gibt’s bei mir nur noch auf dem Schoß

Meine Beweggründe

Der Hauptgrund für eine vegane Ernährungsweise ist für mich ganz klar das Wohl der Tiere. Ich bezeichne mich selbst als tierliebend und darunter verstehe ich, dass kein Unterschied zwischen Katze und Kuh mehr gemacht wird. Milchkühe werden mehrmals pro Jahr künstlich geschwängert, damit sie brav Milch geben. Die Kälbchen werden den Kühen kurz nach der Geburt weggenommen, was für beide unglaublich traurig ist. Den weiblichen Kälbern steht dann das gleiche Schicksal wie der Mutter bevor, ein Leben als Hochleistungsmaschine. Die männlichen Kälber hingegen wandern direkt in die Mast. Mit Eiern sieht es nicht wesentlich besser aus. Ein Huhn hätte zum Beispiel im Backofen mehr Platz als in Bodenhaltung.

Alle diese Fakten wusste ich zwar irgendwie, jedoch habe ich sie ziemlich erfolgreich immer in eine entlegene Ecke meines Gehirns verbannt, besonders in Momenten, wo ich genüsslich Parmesan über meine Pasta streute oder Eis naschte. Irgendwann Ende Juli wurde mir dann ein Video auf Youtube angezeigt mit dem Titel „Die Wahrheit über Veganismus – 30 Tage Vegan Selbstexperiment“. Ich schaute das Video komplett an und dachte mir: Das probierst du jetzt einfach auch.

Startschuss

Was folgte war ein Monat, in dem ich mir unglaublich viel Wissen aneignete. Nicht nur über die Missstände in der Massentierhaltung und die Auswirkungen auf das Klima, sondern auch über Ernährung allgemein. Der Konsum von tierischen Produkten ist in Österreich einfach viel zu hoch und trägt damit zur Entstehung einer ganzen Reihe von Zivilisationskrankheiten bei. Ich habe auch gelernt, wie eine ausgewogene vegane Ernährung zusammengestellt sein sollte, welche Nährstoffe potentiell kritisch sein können und welche man lieber supplementiert, um auf Nummer sicher zu gehen. Besonders das Buch und der YouTube Kanal von Niko Rittenau hat mir dabei sehr geholfen.

Das Standardwerk zum Thema Vegane Ernährung von Niko Rittenau

Eines meiner größten Gegenargumente war immer, dass es ja so schwierig ist, sich vegan zu ernähren, wenn man im Restaurant essen geht. Es stellte sich aber heraus, dass das bei weitem nicht so schwer ist, wie ich mir gedacht hätte. Da ich im August im Urlaub war, war ich relativ oft auswärts essen und ich habe in jedem einzelnen Restaurant etwas veganes auf der Speisekarte gefunden. Spätestens da wurde mir bewusst, wieviel sich in den letzten Jahren getan hat. Als ich 2013 damit begann, mich vegetarisch zu ernähren, musste man in manchen Restaurants (besonders am Land) froh sein, wenn es ein fleischloses Gericht auf der Karte gab. Mittlerweise gibt es so gut wie überall eine ganze Reihe an vegetarischen und veganen Gerichten, und schief angeschaut wird man schon lang nicht mehr. Vegetarische und vegane Ernährung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Die Auswahl an Milchalternativen bei DM ist gigantisch

Wie bereits erwähnt hab ich mich ganz viel mit dem Thema Ernährung generell auseinandergesetzt. Um einen Überblick zu bekommen, welche Nährstoffe ich wie gut über die Ernährung decken kann, habe ich mit FDDB mein Essen getrackt. Ich wollte nicht einfach nach dem Gießkannenprinzip sämtliche potentiell kritische Nährstoffe decken, sondern nur die, die ich tatsächlich in nicht ausreichender Menge zuführe. Beim Tracken sind mir außerdem zwei andere spannende Dinge aufgefallen. Zum einen schieße ich mit einer Veganen Ernährung weit über die empfohlene Mindestmenge von 30g Ballaststoffen hinaus, meistens liege ich irgendwo zwischen 50 und 60 Gramm. Zum anderen ist es viel leichter, den Proteinbedarf zu decken, als ich dachte, und wenn man die Proteinquellen geschickt kombiniert, kann man sogar eine höhere biologische Wertigkeit erreichen als mit Eiern oder Fleisch.

Dadurch, dass ich mich viel mehr mit meiner Ernährung auseinandergesetzt habe, habe ich auch das Kochen für mich entdeckt. Ich habe mich zwar auch vorher gesund ernährt, aber beim Kochen wollte ich immer so wenig Aufwand wie möglich haben. Jetzt macht es mir aber richtig Spaß, frisches Gemüse und neue Lebensmittel einzukaufen und damit zu experimentieren. Auch beim Einkaufen ist mir wieder aufgefallen, was sich in den letzten Jahren getan hat. Die Auswahl an pflanzlichen Alternativen ist einfach gigantisch, besonders im Bereich der Milchalternativen. Inzwischen gibt es sogar Baristamilch aus Hafer, die man richtig gut aufschäumen kann, und köstliche Joghurts aus Kokos- oder Sojamilch. Auch auf Schnitzel und Gyros muss man nicht verzichten. Klar sind diese Produkte alles andere als Gesund, aber das ist ja auch gar nicht der Anspruch daran. Diese Produkte sind einfach super für Leute, die gern Schnitzel essen, aber nicht mit dem Gewissen vereinbaren können, wieviel Leid dahintersteckt. Ab und zu kann man sich sowas gönnen, solange die restliche Ernährung vollwertig ist.

Der wichtigste Benefit für mich ist aber, dass ich mein Essen komplett ohne schlechtes Gewissen genießen kann, weil ich weiß, dass niemand für ein paar Minuten Genuss leiden musste. Ich glaube, dass das Problem ist, dass man einfach ganz leicht den Bezug dazu verliert, wo unsere Lebensmittel eigentlich herkommen. Man sieht die fertig verpackte Wurst im Kühlregal und denkt oft gar nicht daran, wie das eigentlich produziert wird und warum es so billig sein kann. Ich finde, dass das Thema in den Medien und im Schulunterricht viel präsenter sein sollte. Wozu der Konsum von Fleisch fragwürdiger Herkunft im schlimmsten Fall führen kann, sieht man ja eh gerade in der aktuellen Situation. Ich sehe meinen Einkaufszettel wie einen Stimmzettel, mit dem ich für und gegen Produktionsweisen abstimmen kann. Wie mächtig Konsumenten sind, sieht man ja zum Beispiel daran, wie sich das Angebot an Milchalternativen in den letzten Jahren verändert hat. Viele denken ja, dass man als Einzelperson nicht viel erreichen kann. Ich finde aber, dass man zuerst bei sich selbst anfangen soll.

Be the change you want to see in the world.

Fazit

Was ursprünglich nur als Experiment gedacht war, wird mich wohl noch länger begleiten. Bei manchen Dingen gibt es einfach keinen Weg zurück. Die ganze Ernährungsumstellung macht mir einfach so viel Spaß und ist noch dazu unglaublich einfach. Ich bin jetzt schon dankbar für das viele neue Wissen, das ich mir in der letzten Zeit aneignen konnte und freue mich auf die vielen neuen Dinge, die ich noch dazulernen werde. Mit diesem Blogpost möchte ich nicht missionieren und niemandem meine Meinung aufdrängen, ich bin ja selbst noch in der Umstellungsphase und noch lange nicht perfekt. Ich würde mich aber freuen, wenn ich jemanden dazu inspirieren konnte, neue Dinge auszuprobieren und Alte zu hinterfragen. Denn nur, weil wir etwas schon immer so gemacht haben, heißt es ja noch lange nicht, dass es auch richtig ist, oder?

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