Peking: Im Schatten des Coronavirus

22.01.2020 – 26.01.2020


Schon zu Beginn der Reiseplanung im Oktober stand fest, dass es Ende Jänner nach China gehen soll. Das Chinesische Neujahrsfest war eigentlich DAS Ereignis weshalb wir unbedingt zu dieser Zeit in China sein wollten. Besonders die traditionelle Parade mit all den Drachen und Lampions sprach uns an und deshalb wollten wir sie unbedingt mal live miterleben. Den Flug nach Peking buchten wir also schon im Oktober, ebenso wie die Unterkunft für die ersten paar Tage in Peking. Wir befürchteten, dass sämtliche Unterkünfte wegen des Neujahrsfestes weit im vorhinein ausgebucht sein würden, deshalb wollten wir alles so bald wie möglich unter Dach und Fach haben. Ein Fehler, wie sich 3 Monate später herausstellen sollte.

Ein paar Tage vor Abflug ging es dann los mit den Schlagzeilen. Anscheinend sei eine neuartige, hochansteckende Lungenkrankheit in China ausgebrochen. Zuerst haben wir uns nur wenig dabei gedacht, es waren zu dem Zeitpunkt erst einige hundert Infizierte und eine handvoll Todesfälle, natürlich tragisch aber für ein riesiges Land wie China dennoch überschaubar. Nach und nach überschlugen sich allerdings die Zeitungsartikel. Es erreichten uns auch immer mehr Nachrichten von Familienmitgliedern und Freunden, ob wir denn schon vom Virus gehört hätten, ob wir trotzdem fliegen würden und ob wir uns denn keine Sorgen machen würden. Für einen Hypochonder wie mich der pure Albtraum. Sorgen machte ich mir noch nicht, wohl aber Gedanken. Mundschutzmasken kauften wir vorsorglich noch in Georgien, man wisse ja schließlich nicht, ob sie, wenn sich das Virus weiter verbreiten sollte, in China ausverkauft sein würden. Wir beschlossen aber, trotzdem nach Peking zu fliegen und uns vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. Vielleicht übertreiben die Medien ja und es ist in Wahrheit alles ganz harmlos. 

War es aber leider nicht. Schon auf dem Weg vom Flughafen zum Hostel kam uns die U-Bahn verdächtig leer vor. Man hört ja immer von den Menschenmassen in China, besonders in den öffentlichen Verkehrsmittel, doch als wir ankamen war die U-Bahn fast komplett leer. Dass das nur daran liegt, dass wegen des Neujahrfestes viele zu ihren Familien aufs Land gereist sind, konnten wir uns nicht vorstellen. Auf den Straßen ein ähnliches Bild: nur ganz wenige Menschen waren unterwegs und diese trugen bis auf wenige Ausnahmen alle Mundschutzmasken.

Mit Mundschutz versuchte ich mich so gut wie möglich zu schützen.
Mit Mundschutz versuchte ich mich so gut wie möglich zu schützen.

Auch im Hostel war die Lungenkrankheit das vorherrschende Thema. Instantnudeln schlürfend wurde sich darüber ausgetauscht, wie man mit der Situation umgehe und wie man sich am Besten schützen könnte. Erschwerend kam hinzu, dass ganz viele Touristenattraktionen gesperrt wurden, unter anderem die Verbotene Stadt und die Chinesische Mauer, zwei Sehenswürdigkeiten, die wir unbedingt besichtigen wollten. Die Pekingerinnen und Pekinger wurden aufgefordert, wenn möglich zu Hause zu bleiben um das Virus nicht noch weiter zu verbreiten. Außerdem wurde die Parade anlässlich des Neujahrsfestes abgesagt, der Grund warum wir uns dazu entschieden hatten, trotz Eiseskälte im Jänner nach China zu reisen. Es machte mir leider gar keinen Spaß und ich konnte unseren Aufenthalt nicht wirklich genießen, nicht zuletzt weil ich trotz des angeblich geringen Ansteckungsrisikos ständig die Angst im Hinterkopf hatte.

Im Endeffekt war das einzige, was wir in China gesehen haben, der Park rund um den alten Sommerpalast. Der Park ist zwar sehr gut gepflegt und riesengroß, aber sicher nicht der Grund um nach China zu reisen. Für uns war es auch recht schwer an Infos zu kommen, welche Attraktionen denn nun offen und welche geschlossen sind. Nach wenigen Tagen beschlossen wir also, China zu verlassen und in ein anderes Land weiterzureisen. Zu groß war die Angst davor, später nicht mehr ausreisen zu können weil viele Flüge bereits gestrichen wurden und mehr und mehr Länder ihre Grenzen für Reisende aus China dicht gemacht haben. Unsere Wahl fiel auf Thailand. Heute, zwei Wochen nachdem wir China verlassen haben, ist tatsächlich schon eingetreten was wir befürchtet hatten: Viele Flüge wurden gestrichen und einige Länder schlossen die Grenzen für China-Touristen. Zum Glück haben wir auf unser Bauchgefühl gehört und China verlassen, bevor es zu spät gewesen wäre.

Nichtsdestotrotz hat Peking in den wenigen Tagen die ich dort verbracht habe schon einen recht guten Eindruck hinterlassen und definitiv Lust auf mehr gemacht. Besonders ist uns aufgefallen wie gut alles für Touristen ausgeschildert ist. Besonders die Öffis waren extrem easy zu benutzen. Außerdem war alles sehr gepflegt und sauber, kaum Müll auf den Straßen und an den U-Bahn Stationen. Ich will also definitiv noch einmal nach China reisen, aber das nächste Mal im Frühling oder Sommer bei angenehmeren Temperaturen.

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